Dem Drama rund um die Volksbühne ist ein Happy End beschieden. Ab der Spielzeit 2021 übernimmt René Pollesch als Intendant.

Für alle, denen Theater zu viel Theater bedeutet, hier eine Kurzfassung der Geschehnisse: Intendant der Berliner Volksbühne war bis 2017 Frank Castorf.  Nach 25 Jahren bekam er seinen Vertrag nicht mehr verlängert. Und legte zum Abschied eine fulminante Spielzeit hin, in der Regisseure, Schauspieler und Publikum sich aneinander berauschten. Als seinen Nachfolger beriefen Kulturstaatssekretär Renner und Regierender Bürgermeister Müller (beide SPD) Chris Dercon, bis dahin vor allem bekannt für Erfolge als Museumsdirektor (Tate Gallery). Castorf grummelte. Seine Anhänger befürchteten die Verwandlung der Volksbühne in eine gesichts- und geschichtslose “Eventbude”. Das Ensemble zerstreute sich in andere Theater. Die Befürchtungen der Dercon-Kritiker wurden wahr. Eine Theaterbesetzung und ein paar muffige, wenig besuchte Vorstellungen später einigten sich Dercon und der neue Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) auf eine Aufhebung des Vertrags. Die Scherben kehrt seit 2018 Klaus Dörr als Interims-Intendant zusammen. Er brachte wieder einen Spielbetrieb  zustande aus respektablen Eigenproduktionen, Übernahmen  und Gastspielen.

Pollesch war unter Castorfs Intendanz ein geschätzter Regisseur. Er leitete die Volksbühnen-Außenstelle Prater und war auf der großen Bühne mit Stücken wie “Keiner findet sich schön” umjubelt. Lederer begrüßt ihn so: “René Pollesch ist als Autor und Regisseur international anerkannt und mit einer spezifischen Arbeitspraxis etabliert, die eine postdramatische Regiehandschrift, eigenständige Schauspielpersönlichkeiten und politische Autorenschaft vereint.“

Die Volksbühnen-Anhänger freuen sich nicht nur auf Pollesch. Sondern auch auf die Rückkehr von Schauspielern wie Sophie Rois, Martin Wuttke, Kathrin Angerer, Fabian Hinrichs.  Und sie hoffen auf Neues auch von Castorf, Herbert Fritsch oder Christoph Marthaler, den anderen geschätzten Regisseuren des Theaters am Rosa-Luxemburg-Platz. Auch wenn Pollesch auf seiner Pressekonferenz versichert: “Ich bin nicht das trojanische Pferd der alten Volksbühne.”

Zwei Jahre noch. Ganz schön lang.

Die Volksbühne bei Stimme der DDR

 

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