1. Welche Begriffe verbinden Sie spontan mit der DDR?
    Konsum, Betriebsfest, Ferienlager.
  2. Woran erinnern Sie sich besonders gern?
    Wir hatten weniger Alltagssorgen und wir haben uns immer über Westpakete gefreut. Die haben so schön gerochen.
  3. Woran denken Sie ungern zurück?
    Partei und Stasi waren allgegenwärtig, man wusste nie, wem man trauen konnte. Die Umweltverschmutzung war sehr hoch. Braunkohle, Agrarflugzeuge, Chemiefabriken.
  4. Wie verlief Ihr Berufsweg?
    Baufacharbeiter (wegen Studienwunsch) abgebrochen, in der Pflege angefangen als Stationshilfe, dann qualifiziert bis Stationsschwester, später Umschulung zur Industriekauffrau aus gesundheitlichen Gründen, seit 2010 EU-Rentnerin.
  5. Was haben Sie in der Freizeit getan?
    Haushalt, Kinder, Garten, mit Freunden treffen, Gartenpartys, Kultur, Sport, Zelten gefahren, Tanzen gegangen.
  6. Wen aus der DDR verehren Sie besonders und wofür?
    Gregor Gysi, der hat schon damals sehr viel Mut gezeigt.
  7. Was hat Ihre DDR-Vita besonders geprägt?
    Ich konnte ohne Angst um den Arbeitsplatz arbeiten gehen, die soziale Absicherung hat gutgetan. Der ständige Mangel von allem Möglichen hat erfinderisch und hilfsbereit gemacht. Ich fand den Sozialismus besser als den Kapitalismus. Wenn es nur etwas bunter und entspannter gewesen wär!
  8. War das Verhältnis von Männern und Frauen zueinander anders als heute?
    Frauenberufsarbeit war Alltag, die Männer haben die Frauen aber zu Hause nicht unbedingt unterstützt. Es gab also eine Doppelbelastung. Bei uns auf dem Land wurde viel Alkohol getrunken (z.B. die Männer nach Feierabend), das hat viele Beziehungen belastet. Auf dem Papier stand zwar die Gleichberechtigung der Frau, aber im allgemeinen waren die Männer mehr Machos  als heute.
  9. Welche Meinung hatten Sie 1990 zur Wiedervereinigung?
    Ich war traurig, weil mein Land einfach so weg war. Ich hätte mir eine andere Lösung gewünscht. Eine demokratischere DDR mit offenen Grenzen. Uns wurde die BRD übergestülpt und ganz viel wurde abgeschafft, was gut war. Die Leute haben nur die D-Mark gesehen und als sie dann keine Arbeit mehr hatten, waren sie hilflos und entsetzt.
  10. Welche Meinung haben Sie heute zum vereinten Deutschland?
    Es geht mir finanziell gut. Auch wenn ich nur eine Rente bekomme, ich habe gut verdient und drei Kinder, also bin ich zufrieden. Es herrscht ein Mangel an Solidarität und Gemeinschaftssinn. Der Materialismus steht im Vordergrund. Die Politik gefällt mir nicht, es gibt keine gelebte Demokratie. Die Macht hat das Geld und die Regierung handelt nicht zum Wohle der Menschen. Es gibt soviel arme und arbeitslose Menschen. Wir sind eine Leistungs- und Wegwerfgesellschaft. Wer krank wird hat Pech.

    Geboren wurde ich in Mecklenburg, nach der Wende habe ich 12 Jahre in NRW gelebt, dann 10 Jahre in Berlin. Jetzt lebe ich mit meinem Mann und Tieren in Brandenburg. Ich habe drei Kinder geboren und war mehrmals verheiratet.
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One Response to U.L., Frau, 55, Brandenburg, Krankenschwester, Industriekauffrau, Rentnerin

  1. Redaktion sagt:

    In einer ersten Version des Artikels stand Berlin statt Brandenburg als Heimat von U.L.

    Das war ein schnöder Übertragungsfehler – aber vielleicht wird es ja auch noch einmal etwas mit der Länderehe.

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